23. April 2026
18h00
Depot, Breite Gasse 3,
1070 Wien
KŘEH‑KOST. Über den Schatten
und den Klang der Wörter
Autorenlesung und Gespräch mit Jaromír Typlt
Gespräch tsch./dt.
Eintritt frei! Keine Voranmeldung nötig.

© Ivo Karásek
Was Jaromír Typlt an den Wörtern interessiert, ist mehr als deren Bedeutung. Sie bedeuten etwas, und sie bedeuten etwas anderes (wie die Psychoanalyse weiß), aber sie klingen auch (wie die Soundpoetry weiß), sie haben eine Gestalt und einen Schatten. Typlt mag das Uneindeutige und Zerbrechliche an den Wörtern und er arbeitet in seiner Kunst mit all diesen Ebenen. Seine Lesungen sind Performances, begleitet von Klängen, Bildern, Resonanzen. Er selbst nennt das „mutierte Autorenlesung“.
Typlt hat auch eine Doktorarbeit über die tschechische surrealistische Dichtung verfasst. Was mehr als eine Randbemerkung ist, weil sein eigenes frühes Werk vom Surrealismus beeinflusst ist. Er setzt damit das besondere tschechische Nahverhältnis zum Surrealismus fort. Und er kuratiert Ausstellungen für eine Art brut‑ Galerie in Prag. Was ebenfalls mehr als eine Randbemerkung ist, weil er nicht nur einige aufsehenerregende Wiederentdeckungen von Art brut‑Künstler:innen und Dichter:innen gemacht hat, sondern in dieser Kunst eine wesentliche Form der Avantgarde sieht.
Für das Festival wird er neue Gedichte mitbringen und „mutiert“ auf Tschechisch und Deutsch lesen. Unterstützt wird Typlt dabei vom Schauspieler Luka Dimić, Nestroy‑Preisträger und bekannt durch die Rolle des Rekruten im österreichischen Erfolgsfilm Eismayer.
Jaromír Typlt (*1973), tschechischer Dichter, Performer und Essayist, transzendiert mit seinem Werk konsequent die Grenzen zwischen Literatur und Performance, Musik und Kunst. Das Fundament seiner Experimente bleibt der Text, veröffentlicht in Bänden wie Stisk (2007), Za dlouho (2016) oder zuletzt Pouzdří (2025). Auf Deutsch erschienen die Lyriksammlung oder schnurstracks (hochroth 2018, übers.
v. Martin Mutschler) und der Prosaband Michal über Nacht (Kant 2019, übers. v. Max Zaloudek). 1994 Gewinner des Jiří-Orten-Preises. Typlt lebt in Prag.
„Jaromír Typlt (…) ist ein seltener Stein, aus vormaliger Zeit unter anderes Material geraten, uralt und doch von besonderer, aufreizender Fremdheit.“ – Martin Mutschler, Übersetzer
Luka Dimić, 1986 in Sarajevo geboren, wuchs auf in Split und in Schwaben. Bereits zu seiner Schulzeit spielte er mit Begeisterung Theater und studierte ab 2009 Schauspiel an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF in Potsdam-Babelsberg. Für seine Titelrolle in Tschick, inszeniert am Wiener Theater der Jugend, wurde ihm im Jahr 2016 der Nestroy-Preis in der Kategorie Bester Nachwuchsschauspieler verliehen. Im österreichischen Erfolgsfilm Eismayer verkörpert Dimić mit großer Intensität den Rekruten Mario Falak.
